BUSINESS
INTERVIEW.org

Jan. 2025

Gertrud Hansel, Schule für Unternehmer, Augsburg

Für kleine Unternehmen und große Erfolge: Über die Kunst, mit Strategie und Herz zu wachsen

Kleine Unternehmen sind ein wichtiger Faktor der Wirtschaft – doch der Weg zum Erfolg ist oft steinig. Die Herausforderungen reichen von finanziellen Unsicherheiten über Akquise bis hin zu wichtigen strategischen Entscheidungen. Genau hier unterstützt Coach und Unternehmensberaterin Gertrud Hansel. Mit ihrer langjährigen Erfahrung hilft sie Selbstständigen und kleinen Betrieben, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch persönlich zu wachsen. Im Interview erzählt sie, warum Coaching mehr ist als Zahlen und Strategien, was kleine Unternehmen besonders macht und welche Stolpersteine es zu vermeiden gilt.

BI: Hallo Frau Hansel, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns zu sprechen. Sie sind Coach, Trainerin und Unternehmensberaterin und unterstützen vor allem kleinere Betriebe bei der Entwicklung ihrer Unternehmen. Erzählen Sie uns doch bitte zunächst, wie Sie zum Thema Coaching gekommen sind. 

GH: Danke dass ich teilnehmen darf! Meine Reise ins Coaching begann im Rahmen eines spannenden Projekts für Existenzgründer. Als Betriebswirtin lag mein Fokus ursprünglich auf Zahlen, Daten und Fakten – der Überzeugung, dass dies der Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg ist. Doch schnell wurde mir klar, dass dies nur die halbe Wahrheit ist. Unternehmen werden von Menschen geführt, und es ist essenziell, auch den Menschen hinter der Zahl zu betrachten. Mein Motto lautet: „Hinter jedem erfolgreichen Unternehmen steht ein erfolgreicher Mensch.“ Diese Erkenntnis treibt mich an, nicht nur mein Fachwissen in betriebswirtschaftlichen Themen kontinuierlich zu erweitern, sondern auch die psychologischen Aspekte von Selbstständigen und Freiberuflern zu berücksichtigen und zu begleiten.

Und warum haben Sie sich auf kleine Unternehmen spezialisiert? Was reizt Sie an dieser Zielgruppe? 

Die meisten meiner Kunden sind Menschen, die sich in Bereichen selbstständig machen, in denen sie entweder außergewöhnlich talentiert sind oder die sie von Herzen lieben. Viele streben nicht danach, ein riesiges Unternehmen zu führen – sie möchten einfach ihre Leidenschaft in ein profitables Geschäft verwandeln. Die Herausforderungen und Themen, mit denen kleinere Unternehmen konfrontiert sind, unterscheiden sich erheblich von denen großer Firmen. In meinen Gruppen lege ich großen Wert auf einen Austausch auf Augenhöhe, das fördert eine fruchtbare Zusammenarbeit. Eine spezifische Branchenfokussierung hatte ich nie im Sinn; die Spezialisierung auf kleine Betriebe hat sich ganz organisch entwickelt, aus dem Wunsch heraus, diese Unternehmer auf ihrem Weg umfassend zu unterstützen. Mir ist diese Zielgruppe besonders wichtig. Viele  kleine Unternehmen machen einen tollen Job, schaffen Arbeitsplätze und haben es verdient erfolgreich zu sein.

Welchen Ansatz verfolgen Sie in Ihrer Arbeit?

Mein Ziel ist es, Menschen dabei zu helfen, ihre Geschäfte so zu gestalten, dass sie sowohl wirtschaftlichen Erfolg als auch persönliche Zufriedenheit erleben. Diese beiden Pfeiler bilden das Fundament meiner Arbeit. Ich coache und berate meine Kunden stets auf Basis ihrer individuellen Ziele. Die Identifikation dieser Ziele ist immer der erste Schritt.  Viele entscheiden sich basierend daraufhin für eine weitergehende Zusammenarbeit mit mir. Dabei analysieren wir gemeinsam die aktuelle Situation, definieren die nächsten Schritte und setzen diese in die Tat um. Im Bereich Coaching und Training statte ich meine Teilnehmer mit Werkzeugen aus, die ihnen helfen, sich selbst, ihr Team und ihr Unternehmen auf nachhaltige Weise weiterzuentwickeln. Diese ganzheitliche Kombination aus Coaching, Training und Unternehmensberatung hat sich in der Praxis als äußerst effektiv erwiesen. Für mich ist es abwechslungsreich für meine Kunden gewinnbringend.

Was sind die häufigsten Themen, mit denen UnternehmerInnen und Führungskräfte auf Sie zukommen?

Selten kommen meine Kunden aufgrund fehlender fachlicher Expertise zu mir. Allerdings merken sie im Laufe der Zeit, dass mehr Know-how in Sachen Akquise, Verkauf, Mitarbeiterführung  oder Finanzmanagement fehlt was natürlich mittel- und langfristig zu unnötigem Stress und Verunsicherungen führt. Der Grund Kontakt mit uns aufzunehmen ist oft übermäßiger Stress, das Fehlen von praktikablen Lösungen für ihre unternehmerischen Herausforderungen und natürlich auch der Wunsch nach mehr Umsatz und Ertrag. Gerade Freiberufler verdienen oft  von Monat zu Monat und wünschen sich mehr Geld. Sie merken im Lauf der Zeit, dass Investitionen sinnvoll wären, oft fehlt aber hierfür Zeit und  Geld. Der Wunsch nach Veränderung steht häufig im Vordergrund – sei es in finanzieller, kommunikativer oder persönlicher Hinsicht. Ein großer Teil meiner Klienten kommt auf Empfehlung; sie haben gesehen, wie andere Unternehmer durch unsere Zusammenarbeit mehr Ruhe und gleichzeitig mehr Erfolg in ihren Alltag bringen konnten.

An welche besonders herausfordernde oder vielleicht auch außergewöhnliche Situation aus Ihrer Arbeit erinnern Sie sich?

Eine der größten Herausforderungen für mich liegt oft darin, wenn Klienten zu spät kommen. „Zu spät“ bedeutet, sie sind manchmal von einem Papierstapel aus Rechnungen und Mahnungen umgeben und wissen nicht mehr, wie sie den Alltag bewältigen sollen. In dieser Phase wäre in den meisten Fällen eine begleitende Therapie sinnvoll –  Plätze hierfür aber fehlen. Oft wird der Handlungsbedarf zu spät realisiert, und viele Kunden befinden sich bereits in einer Krise – das macht die Zusammenarbeit manchmal besonders herausfordernd, aber auch unglaublich wertvoll.

Außergewöhnlich ist es für mich immer wieder, dass es Menschen gibt, die in der Lage sind, sich klare Zielbilder zu entwickeln und damit starten. Das bewundere ich immer wieder. Das klappt in den allermeisten Fällen. Sie kennen ihr „hin zu“  statt ihr „weg von“. Sie kommen weit entfernt von Krisen oder großer Unzufriedenheit. Sie suchen sich rechtzeitig Know-how und Unterstützung und bringen sich und ihr Unternehmen dadurch wesentlich entspannter weiter.

Unternehmer sind statistisch häufiger Männer als Frauen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Branchen, in denen Männer und Frauen tätig sind?

Aus meiner Erfahrung heraus streben Frauen in der Selbstständigkeit häufig eine größere Sicherheit an, als das Männer tun. Deshalb sind sie häufig freiberuflich tätig. Wenig Kapitaleinsatz ist für sie wichtig.

Männer neigen dazu, ihren unternehmerischen Weg längerfristig zu planen und zu machen, während Frauen oft sehr vorsichtig in kürzeren Zeiträumen denken und risikoärmer agieren. Vielleicht spielt hier eine Rolle, dass Frauen nach wie vor mit einem Großteil der sogenannten Care-Arbeit belastet sind. Zudem haben viele Männer noch das klassische Bild im Kopf, dass sie die Familie ernähren müssen. Dieser Druck kann verschiedene Entscheidungen beeinflussen. 

Haben Sie einen Tipp den Sie gerne an Frauen weitergeben?

Ich ermutige Frauen oft, zu bedenken, dass eine freiberufliche Tätigkeit mit kleinen Kindern in vielen Fällen theoretisch einfacher zu managen ist als eine Festanstellung. Allerdings, wenn entscheidendes Know-how in Bereichen wie Akquise und Verkauf fehlt, kann man schnell in ein finanzielles Korsett geraten, das auch auf die Altersvorsorge belastend wirkt. Neben der eigenen Expertise ist es genauso wichtig, die eigenen Stärken in Sachen Unternehmensführung auf- und auszubauen. 

In meinen Kursen stelle ich zudem fest, dass mit Unterstützung und einem starken Netzwerk Frauen oft viel mutiger werden, wenn es um gesundes Wachstum und Investitionen geht, die letztlich den Unternehmenserfolg steigern.

Aktuell können Weiterbildungen für Solo-Selbständig mit 90% bezuschusst werden. Weiterbildung lohnt sich in  jedem Fall zu Themen der Unternehmensführung.

Es wirkt so, als wäre der Markt an Coaches „gesättigt“. Auch die Regale mit Ratgeberliteratur werden immer länger. Wie empfinden Sie die Konkurrenzsituation und wie gehen Sie damit um?

Die Schule für Unternehmer in Augsburg gibt es inzwischen seit mehr als 25 Jahren. Das bedeutet, dass ich über die Jahre hinweg einen treuen Kundenstamm und zahlreiche Empfehlungen aufbauen konnte – viele meiner Kunden kommen immer wieder oder senden ihre Führungskräfte zu mir. Was den aktuellen Coaching-Markt betrifft, kann ich, wie viele meiner Kollegen, die momentane Situation nur bedingt befürworten. Ein großes Problem sind die vielen Coaches, die oft nicht über eine fundierte Ausbildung oder die nötigen Weiterbildungen verfügen. Dennoch habe ich im Laufe meiner Berufszeit gelernt, dass es für jeden – und jede – den richtigen Partner gibt. Trotz der steigenden Zahl von Coaches wächst auch die Bereitschaft der Menschen, Coaching und Training in Anspruch zu nehmen. Das sehe ich positiv und als Chance für alle, die wirklich einen wertvollen Beitrag zur Unterstützung anderer leisten möchten.

Es wird diskutiert, ob KI-Chatbots psychologische Unterstützung bieten können, insbesondere für Patienten mit langen Wartezeiten auf einen Termin. Gibt es ähnliche Überlegungen für den Bereich Coaching?

Die Diskussion um den Einsatz von KI im Coaching-Bereich ist durchaus spannend und zeigt, dass es in bestimmten Fällen kurzfristige Alternativen bieten kann. Jedoch hat mich die komplexe Natur der Unternehmensführung dazu bewogen, im persönlichen Coaching und Training zu bleiben. Diese persönliche Interaktion und der unmittelbare Austausch haben sich über die Jahre als äußerst wertvoll für meine Klienten erwiesen – das lässt sich durch keine Technologie ersetzen.

Ob finanzieller Erfolg, strategische Klarheit oder einfach mehr Gelassenheit im unternehmerischen Alltag – gutes Coaching kann einen Unterschied machen. Gertrud Hansel zeigt, dass es zwar immer auch um wirtschaftliche Kennzahlen geht, aber vor allem um die Menschen im Unternehmen. Ihr wichtigster Tipp: Rechtzeitig Unterstützung suchen und mutig in die eigene Weiterentwicklung investieren.

Das Interview haben wir im Januar 2025 geführt.


Weitere Infos:
  Schule für Unternehmer
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