Benedikt Matthias Reimann führt die Künstler- und Konzertagentur “BMR Artist & Project Management“, die Künstler im Bereich der klassischen Musik managed und vermittelt. Im Interview erzählt er uns, wie wichtig ihm die Karrierebegleitung der Musiker ist, warum klassische Musik so stark mit Emotionen verknüpft ist und wie insbesondere junge Menschen mit klassischer Musik in Kontakt kommen können. Und inwiefern die Speisekarte eines Restaurants schon mal aus der Patsche helfen kann.
Interview mit Benedikt Matthias Reimann, Inhaber Künstler- und Konzertagentur “BMR Artist & Project Management“
BI: Hallo und Danke, dass du Zeit für dieses Interview hast. Du bist Inhaber der Künstler- und Konzertagentur “BMR Artist & Project Management“. Bitte erzähle uns zunächst etwas zu deinem Werdegang.
BMR: Vielen Dank für die Einladung und das Interesse. Den Grundstein für meinen Weg in die Welt der Klassik legte mein Klavierpädagoge und Konzertpianist an meiner damaligen Schule, einem renommierten musischen Gymnasium. Dort kam ich intensiv mit klassischer Musik in Berührung. Zum Beispiel sang ich in einem von einem Benediktinermönch geleiteten Chor und machte erste Erfahrungen als Liedbegleiter eines Klassenkameraden, dessen Vater ein bedeutender Bass im Konzertbetrieb war.
Während meines Studiums der Betriebswirtschaftslehre begann ich mich für das Kulturmanagement, insbesondere für das Veranstaltungs- und Agenturwesen zu interessieren, und setzte meinen Schwerpunkt auf Rechnungslegung, Steuerlehre und Wirtschaftsrecht. Meine Abschlussarbeit, in der ich mich mit Rechts- und Bilanzierungsfragen in der Musikindustrie beschäftigte, wurde als Buch veröffentlicht.
Als Mitarbeiter bei Festivals sammelte ich dann erste Managementerfahrung. Es folgten Konzerte als selbständiger Veranstalter und Co-Produzent. Anschließend hatte ich nach kurzer Tätigkeit in einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft diverse Managementpositionen im Vertrieb, insbesondere in der IT-Industrie inne und betreute Kunden unterschiedlicher Branchen und Größenordnungen, vom Kleinbetrieb bis zu multinationalen Großkonzernen. 2018 war ich geschäftsführender Gesellschafter und Direktor eines Festivals für klassische Musik. Von 2017 bis 2019 veranstaltete ich eine eigene Konzertreihe als örtlicher Veranstalter. Und seit 2018 besteht die Agentur BMR Artist & Project Management.
BI: Was macht eine Kreativagentur wie deine?
Unser Fokus liegt auf Künstlermanagement, Künstlervermittlung und Konzertvermittlung. Ich manage im klassischen Musikmarkt Künstlerkarrieren, berate Künstler und vermittle weltweit Künstler und Gastspielkonzerte an Veranstalter. Auf Anfrage erbringe ich auch projektspezifische Beratung von Veranstaltern und Institutionen.
BI: Stell uns kurz die wichtigsten Künstler vor, mit denen du zusammenarbeitest.
Das ist schwierig, weil für mich als Agent liegt es in der Natur der Sache, dass mir alle von mir vertretenen Künstler wichtig sind. Natürlich haben die Künstler, mit denen aktuell eine beidseitig enge Zusammenarbeit besteht und für die aktiv Akquise betrieben wird, einen hohen Stellenwert – das sind der Dirigent und Konzertorganist Hansjörg Albrecht, der Pianist Konstantin Lukinov, der Bariton Daniel Ochoa sowie die Sopranistin Cathrin Lange, die Altistin Henriette Gödde und Mezzosopranistin Roxana Constantinescu, die Tenöre Mario Lerchenberger und Daniel Johannsen, der Bariton Neven Crnić und das Talistrio. Darüber hinaus gibt es aber auch immer wieder eine Zusammenarbeit mit Künstlern, die man “nur” gelegentlich vermittelt, bspw. als Einspringer für erkrankte oder nicht verfügbare Künstler.
BI: Was macht es in der heutigen Zeit herausfordernd, in der internationalen Konzertmanagementwelt tätig zu sein?
Herausfordernd ist sicherlich zum einen der hochkompetitive Markt – das gilt sowohl im Wettbewerb unter den viel zu vielen Künstlern, die sich einer eingeschränkten Nachfrage gegenüber sehen, sowie bisweilen auch im Wettbewerb unter Veranstaltern, Plattenfirmen und Agenturen. Die limitierten und ungleichmäßig verteilten Budgets in der Hochkultur sind eine weitere Herausforderung des Marktes.
BI: Wie kommst Du mit neuen Auftraggebern in Kontakt? Läuft das mehr über persönliche Netzwerke und Empfehlungen oder auch über gezielte Akquise?
Es ist eine Mischung aus Allem – persönliche Netzwerke sind in diesem People Business das A und O. Das Netzwerk entsteht sowohl über gezielte Akquise als auch über das Renommee und die Leistung der Künstler selbst, aber auch durch begleitende Marketingmaßnahmen wie bspw. über Social Media.
BI: Wer sind eure Kunden? Sind das eher öffentliche Auftraggeber, Kulturinstitutionen wie Festivals, Orchester, Theater oder auch Unternehmen, die Konzerte als Event veranstalten wollen?
Richtig, die Kunden sind sowohl private als auch öffentliche Veranstalter und Kulturinstitutionen wie Festivals, Orchester, Theater und Chöre. Anfragen für Unternehmensveranstaltungen gibt es sehr vereinzelt und spielen eigentlich keine wesentliche Rolle.
BI: Welche Unterschiede erlebst du zwischen den Wünschen von Veranstaltern und den Vorstellungen der Künstlerinnen und Künstler?
Im Idealfall, und so sehe ich auch den Job des Künstlervermittlers, bringe ich die Wünsche der beiden Parteien zusammen. Wenn eine Win-win-Situation entsteht, funktioniert die Vermittlung. Dabei hilft es, beide Seiten gut zu kennen. Da ich vor der reinen Agenturtätigkeit sowohl Veranstalter war als auch als Liedbegleiter und Chorsänger schon auf der Bühne stand, verstehe ich die Anliegen beider Seiten. Das wird von den Veranstaltern und Künstlern sehr geschätzt.
BI: Was ist für dich für eine dauerhafte Zusammenarbeit wichtig?
Gegenseitiges Vertrauen und Loyalität. Es hilft auch, wenn Künstler nicht die Bodenhaftung verlieren. Es geht darum, die Karriere des Künstlers als gemeinsames Projekt zu sehen, an dem man gemeinsam arbeitet und für die man Verantwortung übernimmt.
BI: Welches Konzert oder Künstlerprojekt ist dir besonders in Erinnerung geblieben und warum?
Oh, da gibt es viele. Von Zuschauern, die in Ohnmacht fallen und während des Konzertes versorgt werden, über stressige Barauszahlungen an Orchestermusiker hinter der Bühne bis hin zum Registrieren von Orgelkonzerten, bei denen über 600 Kombinationen mitgelesen, gespielt und im richtigen Moment abgerufen werden müssen. Die Tätigkeiten eines Agenten und früher Veranstalters können sehr vielfältig sein.
Die musikalischen Höhepunkte herausragender Werke, verbunden mit den individuellen und spirituell-künstlerisch tiefgehenden Interpretationen der Musiker, erzeugen manchmal die magischen Momente, für die man diesen Job macht. Das sind Konzerte und Momente, die lange in Erinnerung bleiben, emotionale Spuren hinterlassen und das Leben ungemein bereichern.
BI: Gibt es Ansätze, traditionelle Konzertformate weiterzuentwickeln? Welche Denkweise hat euch dabei besonders weitergebracht?
Das ist schon immer ein Thema der Branche. Wie können sich Konzertformate wandeln? Wie können mehr Menschen, insbesondere Junge, für klassische Musik begeistert werden? Es gibt Ansätze, Konzerte an innovativen Orten stattfinden zu lassen, auch in lockerer Atmosphäre und Kleidung.
Die künstliche Intelligenz ist eine Entwicklung, die es gilt, sinnvoll einzubringen, bspw. durch die Vervollständigung von Musikfragementen oder die Bearbeitung von Werken.
Das Wichtigste bei allen Überlegungen aber ist und bleibt, Menschen vermehrt mit klassischer Musik in Verbindung zu bringen, denn sie lieben sie! So wie bspw. alle die Champions League Hymne lieben, die ursprünglich unter dem Namen “Zadok the Priest” von Georg Friedrich Händel komponiert wurde, was den meisten gar nicht bewusst ist. Auch klassische Filmmusik bewegt viele Menschen. Das klassische Live Konzert hat genau dieselbe emotionale Wirkung wie ein bewegender, mit klassischer Musik hinterlegter Moment in einem Kinofilm und kann das selbe erhabene Gefühl beim Publikum erzeugen, das viele beim Einlaufen der Spieler zu einem Champions League Spiel haben. Denn es ist jeweils die Musik, die die Emotionen zum Ausdruck bringt und verstärkt. Wenn insbesondere junge Menschen selbst klassische Musik singen oder ein Instrument lernen, haben sie die Chance, mit der Musik in Verbindung zu kommen und diese extremen Emotionen zu erleben.
BI: Hast du eine Anekdote oder ein kleines Missgeschick hinter den Kulissen, das dich zum Schmunzeln brachte?
Ja da gibt es viele, denn hinter den Kulissen passiert so einiges. Man muss mit emotionalen Extremsituationen auch hinter der Bühne und im Vorfeld und im Nachgang von Konzerten umgehen können, sonst ist man in der Branche fehl am Platz. Viel zum Schmunzeln gibt es daher im direkten Zusammenhang eines Konzertauftritts oft gar nicht. Allerdings lacht und schmunzelt man über Situationen und Charaktere der Branche, wenn man mit Künstlern, die man vertritt, auch befreundet ist. Um aber eine kurze Anekdote zum Schmunzeln zu nennen: Für ein Konzert in der Berliner Philharmonie hatte der von mir vermittelte Solist seine schwarze Notenmappe für seine Noten vergessen. Das ist durchaus ein Problem, aber der Künstler fand eine kreative Lösung: Am Konzerttag sah er zufällig die komplett schwarze Speisekarte eines Berliner Restaurants, die er sich kurzerhand auslieh, um dann statt mit seiner Notenmappe mit einer Speisekarte in der Hand die Bühne der Berliner Philharmonie zu betreten. Da musste ich in der Tat schmunzeln.
BI: Gibt es aus heutiger Sicht etwas, das du gerne früher gewusst hättest?
Der Erfolg eines Veranstalters und Agenten liegt nicht nur in den Dingen und Projekten, die er tut – er liegt vor allem auch in den Dingen, die er unterlässt, zu tun.
Unser Fazit zum Interview mit dem Konzertmanager Benedikt Matthias Reimann
Das Gespräch mit Benedikt Matthias Reimann macht deutlich, wie viel Leidenschaft, organisatorisches Geschick und Detailarbeit hinter den Kulissen notwendig sind, um am Ende jene magischen Augenblicke zu schaffen, die ein Konzert unvergesslich machen und das Publikum emotional ergreifen. Große Kunstmomente entstehen nicht erst auf der Bühne, sondern sind Ergebnis einer engen Zusammenarbeit, die von Vertrauen und einer tiefen Hingabe an die Musik geprägt ist.
Weitere Infos zu Benedikt Matthias Reimann und BMR Artist & Project Management:
Website BMR Artist & Project ManagementBMR Artist & Project Management auf Instagram
Beneditk Reimann auf Linkedin
